Medizinische Herausforderungen

Am 16.05.17 organisierte der Thüringer Landesseniorenrat eine Fachtagung mit dem Thema: „Medizinische Versorgungsherausforderungen der Gegenwart und Zukunft“. Ein anspruchsvollerTitel! Drei unserer Mitglieder nahmen an der Veranstaltung teil. Die Themenbereiche wurden von kompetenten Referenten erörtert, auch unsere Gesundheitsministerin Heike Werner sprach.

Ministerin Heike Werner spricht
Ministerin Heike Werner spricht

Professor Holger Gabriel von der Universität Jena erläuterte, welchen Anteil wir selber haben, möglichst gesund älter zu werden, so weit dies möglich ist. Dass man mit einer gesunden Lebensführung nicht erst im Alter beginnen darf, sondern schon wesentlich eher auf eine qualitativ gute und nicht zu üppige Ernährung achten sollte, versteht sich eigentlich von selbst. Aber auch die tägliche Bewegung, Spaziergänge und/oder Sport sind ebenso wichtig wie eine ständige Anregung unseres Geistes z.B. durch Lesen, Aneignung neuer Kenntnisse wie Computerwissen, Erlernen einer fremden Sprache o.ä. Er erwähnte explizit als Übung für Körper und Geist das Tanzen! Es gibt tatsächlich schon Untersuchungen, dass Leute, die regelmäßig tanzen, seltener bzw. deutlich später an Demenz erkranken.

Der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, Veit Malolepsy, berichtete, was die KV Thüringen bisher alles unternommen hat, die teilweise prekäre Situation der ärztlichen Versorgung besonders in ländlichen Gebieten zu verbessern. Verständlicherweise gingen bei diesem Thema bei den Teilnehmern die Emotionen hoch! Leider ist das Kassenarztsystem so gestrickt, dass ein Arzt in einem bestimmten regionalen KV-Bereich eine Zulassung bekommt und eine Praxis gründen kann, wenn entsprechender Bedarf besteht. Aber wo genau innerhalb dieser Region ist ihm selbst überlassen. So kommt es dazu, dass z.B. in vielen Städten die Versorgung ungleich viel besser ist als auf dem Land. Leider fehlen aber auch insgesamt Ärzte bestimmter Fachbereiche. D.h., Mediziner wählen nach Abschluss ihrer Studien die Fachrichtung, in der sie tätig sein möchten. In bestimmten spezialisierten Bereichen arbeiten sie aber oft lieber in einer Klinik als in eigener Praxis. Die KV hat durch spezifische finanzielle Förderungen eine Menge durchaus lukrativer Anreize geschaffen, junge Ärzte zum Arbeiten in eigener Praxis zu gewinnen. Es gab schon Erfolge, diese sind aber noch nicht ausreichend. Unserer Ansicht nach liegt die schwierige Steuerung und ungleiche Verteilung von Arztpraxen an dem bestehenden Kassenarztsystem. Dies zu verbessern ist Sache der Bundespolitik.

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner sprach über die politische Neuausrichtung der Gesundheitspolitik in Thüringen. Sie erläuterte die Bedeutung von Prävention, den Gesundheitszieleprozess und die Aufgaben der Landesgesundheits- konferenz, in der Vertreter aus allen im Gesundheitswesen tätigen Bereichen gemeinsame Beratungen durchführen. Aber – wie auch in diesem Referat gut erkennbar war- kann ein einzelnes Bundesland nur im Rahmen der bundespolitisch geltenden Bestimmungen agieren. Und da gibt es unserer Ansicht nach eine Menge zu verbessern.

Dr. Gerd Reuther aus Neuss sprach über die Aussagekraft publizierter Krankheitsprävalenzen und das Thema „Worauf es  in alternden Gesellschaften wirklich ankommt“. Nämlich als Erstes Prävention statt Behandlung, zweitens wohnortnahe Diagnosezentren (nicht unbedingt Kliniken) und drittens deutlich mehr qualifiziertes Pflegepersonal. Er erörterte auch eine seiner Ansicht nach Schwäche des bestehenden Systems und plädierte für eine Entkoppelung von Behandlungsmaßnahmen und Vergütungen. Wenn dies geschähe, würden die Kosten zwangsläufig sinken. Eine brisante These, die eigentlich logisch ist!

Frau Dr. Eichelberger, eine Vertreterin des Thüringer Gesundheitsministeriums, erläuterte die Krankenhausplanung und damit Klinikversorgung unseres Bundeslandes, ein schwieriges Thema und besonders heißes Eisen.

Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion wurde lebhaft diskutiert, trotzdem allen klar war, dass wir Thüringer Seniorenvertreterinnen und -vertreter auf wirklich entscheidende Weichenstellungen in der bundesdeutschen Gesundheitspolitik nur sehr geringen Einfluss haben. Es erscheint uns aber wichtig, bei unseren Entscheidungen, wen wir im September in den Bundestag wählen, genau darauf zu schauen, welche gesundheitspolitsichen Ziele unsere favorisierte Partei hat. Wir Seniorinnen und Senioren sind eine nicht zu unterschätzende Zahl von Wählern!

E.H.-C., 19.06.17

 

 


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