Zukunftsplan: Geriatrische Abteilung im Klinikum Suhl

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Published on: 18. Januar 2017

 

Zu unsrer ersten Sitzung im neuen Jahr war Herr Dr. Schönemann unser Gast, ein Internist und Geriater vom Suhler SRH-Klinikum.  Er stellte uns das Konzept einer Geriatrischen Abteilung des Klinikums vor, zu dem wir viele Fragen hatten. Auch Frau John, unsere engagierte Sachbearbeiterin für Seniorenangelegenheiten vom Landratsamt SM und Rüdiger Müller, Vorsitzender des Suhler Seniorenbeirats und Patientenfürsprecher im SRH-Klinikum, waren unsere Gäste.

Was versteht man z.B. unter dem Begriff „Geriatrie“?
Laut WHO-Definition von 1989 ist „die Geriatrie ein Zweig der Medizin, die sich mit der Gesundheit im Alter sowie den präventiven, klinischen, rehabilitativen und sozialen Aspekten von Krankheiten beim älteren Menschen beschäftigt. Geriatrische Medizin berücksichtigt somit insbesondere nicht nur medizinische, sondern auch psychologische und soziale Probleme des älteren Menschen. Diagnostik und Therapie werden im Wissen um körperliche und psychische Veränderungen des alternden Menschen auf diesen individuell zugeschnitten.“  Ein hoher Anspruch, dessen Realisierung sicherlich nicht immer einfach ist.

 

Geriatrie 1

 

Was ist ein geriatrischer Patient? Er ist keinesfalls nur durch eine Altersgrenze zu definieren. Wir haben z.B. noch ausgesprochen rüstige und geistig aktive Mitbürger jenseits der 85 Jahre, die zunächst nicht dazu zählen würden,  aber andererseits auch Menschen, die mit Anfang  Siebzig und älter schon durch zahlreiche körperliche Erkrankungen und geistige Einschränkungen hilfsbedürftig  – also geriatrische Patienten- geworden sind.

 

Geriatrie 5

 

In der geriatrischen Abteilung eines Akutkrankenhauses sollen also nach Möglichkeit solche Patienten vom ersten Tag an durch ein entsprechend geschultes Team von Ärzten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten und Sozialarbeitern behandelt und damit möglichst viele ihrer Alltagskompetenzen erhalten oder verbessert werden.

Dr. Schönemann erläuterte uns, wie dies im Krankenhausalltag ablaufen könne.  Je nach akuter Erkrankung würde dann ein geriatrischer Patient entweder gleich auf die geriatrische Station aufgenommen oder zunächst kurzzeitig in einer Fachklinik bleiben. Dort könne seine akute Erkrankung (z.B. eine OP) behandelt werden. Nach möglichst nur wenigen Tagen solle dann der Patient auf die geriatrische Station verlegt werden. Dort erfolge die Behandlung durch einen Facharzt für Geriatrie, der aber die für die akute Erkrankung des Patienten entsprechenden Ärzte anderer Fachrichtungen zur Beratung hinzuziehen werde. Geriatrische Patienten haben einen deutlich höheren Betreuungsaufwand (zeitlich und auch finanziell) als durchschnittliche Patienten.  Dieser Umstand würde in einer altersmedizinischen  Abteilung berücksichtigt, denn dort gäbe es ein  dementsprechend spezialisiertes Pflegeteam mit mehr Personal als auf anderen Stationen. Dr. Schönemann berichtete uns, dass er auch jetzt schon die Aufgabe habe, seinen ärztlichen Kollegen bei der Behandlung geriatrischer  Patienten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.  Sein Credo:  der Geriater sollte den entsprechenden Patienten schon in der Notaufnahme sehen, damit von vorneherein die richtigen Weichen für eine angemessene Diagnostik und Therapie gestellt werden könnten. Also – unbedingt auch  Altersmedizin in einer Akutklinik.  Zur  Zeit  versteht man  in Thüringen unter dem Begriff „Geriatrie“ mehr die rehabilitative Seite.

Geriatrie 3
Bisher gibt es in unserem Einzugsbereich die geriatrische Klinik „Georgenhaus“ in Meiningen, die seit vielen Jahren mit hoher fachlicher Kompetenz, einem sehr erfahrenen Team  und viel Einfühlungsvermögen Patienten, die nach einer körperlichen Erkrankung ihre Eigenständigkeit noch nicht erlangt haben, wieder zu mobilisieren und damit den Weg in ihre Selbstständigkeit zu realisieren, soweit dies aufgrund vorhandener Einschränkungen möglich ist. Ins „Georgenhaus“  werden also u.a. Patienten zur Rehabilitation geschickt, die nach Behandlungen in Akutkrankenhäusern noch nicht wieder „alltagstauglich“ geworden sind.

Warum also nicht schon innerhalb einer Akutklinik wie dem SRH-Klinikum  einem Verlust von Alltagskompetenzen alter Menschen vorbeugen? Das klingt bestechend, ist aber sicherlich wegen der für die Patienten unterschiedlichen Zuständigkeit der ärztlichen Spezialisten nicht ganz einfach umzusetzen.  Herr Dr. Schönemann, der auch schon in anderen großen Akutkliniken mit geriatrischen Abteilungen gearbeitet hat, gab uns diesbezüglich ausführliche Informationen und ist aufgrund seiner klinischen Erfahrung gemeinsam mit seinen Kollegen sowie dem Ärztlichen Direktor Dr. Leder sehr sicher, dass die Einrichtung einer speziell geriatrischen Abteilung Im SRH-Klinikum wirklich sinnvoll wäre.

 

10.1.17 Sitzung mit Dr. Schönemann 018Dr.Schönemann erläutert uns den Begriff „Geriatrie“ und seine Notwendigkeit

Dafür sprechen die hohen Zahlen in Suhl behandelter alter Menschen, die eigentlich auf eine geriatrische  Station gehören würden.  Im aktuellen Krankenhausplan Thüringens ist dies bisher für Suhl nicht vorgesehen.  Es findet allerdings in Kürze noch einmal eine Anhörung des SRH-Klinikums in Erfurt statt.  Die Entscheidung trifft nicht allein das zuständige Ministerium, sondern sie wird gemeinschaftlich mit den Krankenkassen abgesprochen, weil dann entsprechend deutlich höhere Gelder eingeplant werden müssen.  Wir  hoffen, dass es in absehbarer Zeit für das Suhler Klinikum „grünes Licht“ geben wird und geriatrische Patienten auch schon in der Akutbehandlungsphase  eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene  Therapie erhalten werden.

E. Holland-Cunz, 16.01.17

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